Labyrinth und Irrgarten


Nicht alles, was Labyrinth heißt, ist auch eines, z.B. die Maislabyrinthe. Das sind Irrgärten. Aber es klingt schön.
labyrinthDieses Bild zeigt ein richtiges Labyrinth. Es ist so konstruiert wie das Labyrinth in der Kathedrale von Chartres in Frankreich. Labyrinthe können aber auch anders konstruiert sein. Das entscheidende Merkmal eines Labyrinthes ist, dass es vom Eingang ausgehend einen Weg gibt, den man gehen kann, ohne sich irgendwo zu verirren und in eine Sackgasse zu geraten. Hier gibt es kein“ richtig“ oder“falsch“ .Allerdings ist es ein langer Weg mit vielen Windungen und engen Kurven. Immer wieder wird man an eine Stelle geführt, in deren unmittelbarer Nähe man schon früher gewesen ist. Dann wieder sieht es aus als ginge man rückwärts. Aber trotz allem steht man plötzlich hinter einer Kurve auf dem Weg, der nun direkt in die Mitte führt. Hier anzukommen, hat man sich wirklich verdient und es lohnt sich, dort eine zeit lang zu verweilen.

 

 

 

 

Irrgarten (piqs.de ID: d546cde52f7fe8daa607d917ea8b312c)

Dieses hier ist ein Irrgarten. Sein Merkmal ist, dass es jede Menge verwinkelte Wege gibt, die in eine Sackgasse münden. Meist hat auch der Irrgarten eine Mitte, von der dann so viele Wege abgehen, dass man nicht weiß, welchen man wählen soll. Man kann sich also kräftig verlaufen und muss sich mühsam den Weg suchen, auf dem es weiter voran geht. So ist es mir jedenfalls im Maislabyrinth ergangen. Ich war ganz froh, dass ich dort nicht alleine unterwegs war. Wider jede Vernunft schleicht sich der Gedanke ein, was denn wäre, wenn man nicht mehr herausfinden würde. Dann fühlt es sich ein bisschen unheimlich an.

Interessant könnte es sein, sich die Symbolik beider Figuren anzuschauen. Beide können für unseren Weg durchs Leben stehen. Auf dem Weg durch das Labyrinth kann ich mich nicht verlaufen. Ich muss nur geduldig und mit Ausdauer weiterschreiten. Ich muss es aushalten, dass es sich manchmal so anfühlt, als ob ich eigentlich nicht weitergekommen wäre und der ganze bisher gegangene Weg umsonst gewesen wäre. Dann wieder merke ich, dass ich zügig weitergehen kann und vielleicht doch noch in der Mitte ankommen werde. Im Lauf des Weges wächst das Vertrauen, dass es eigentlich keinen wirklichen Weg rückwärts gibt und dass ich meinen Weg nicht mühsam suchen, sondern ihn einfach gehen muss – egal wie lange es dauert.
Anders fühlt es sich im Irrgarten an. Hier können wir doch in arge Bedrängnis kommen. Wenn wir in eine Sackgasse geraten sind und umkehren, wissen wir nicht, welche von den Abzweigungen der Weg ist, der uns in die Mitte oder zum Ausgang führt. Im Irrgarten gibt es sehr wohl einen „richtigen“ und viele „falsche“ Wege.
Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann sehe ich, dass es da nichts gegeben hat, das ich als Irrweg bezeichnen möchte. Ich sehe einen verschlungenen weg mit Rückwärtsschleifen, Kurven und auch geraden Strecken. Was sich im aktuellen Erleben wie ein fürchterlicher Irrweg oder eine erschreckende Sackgasse angefühlt hat, erweist sich in der Rückschau einfach als ein Teil meines Weges. Das heißt, es waren alles wichtige Schritte, die ich einfach akzeptiere. Insofern bevorzuge ich das Labyrinth als Symbol meines Lebensweges.

Ursula

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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